Orgel

Seit Jahrzehnten endlich wieder eine Orgel in der Abteikirche Otterberg.

Viele Jahre hat es gedauert und viele Spenden waren für dieses Projekt notwendig, doch einige Spender haben das fertige Werk leider nicht mehr erlebt. Aber alle Anstrengungen haben sich gelohnt. Nach einer fast genau 20-jährigen Übergangsphase wurde die neue Orgel am Sonntag, dem 12. Dezember 1999 im Rahmen eines ökumenischen Gottesdienstes eingeweiht.

Im November 1979 erklangen die beiden Orgeln in der Abteikirche das letzte Mal, bevor sie im Rahmen der Renovierungsarbeiten demontiert wurden. Das katholische Instrument, das im nördlichen Querhaus auf einer Empore stand, wurde 1931 gebaut. Das protestantische Instrument stand ebenfalls auf einer Empore direkt an der Trennwand und wurde von der Firma Walcker in Offenbach gebaut.

Dem Festgottesdienst zur Indienststellung der Orgel gingen aber noch viele Anstrengungen voraus. Schwierig war unter anderem auch die Klärung der Standortfrage, da die Abteikirche bisher keinen historischen Orgelstandort hatte. Man dachte daran die Orgel wie ein Schwalbennest an den linken Pfeiler der Vierung anzubauen. Weiterhin im Gespräch war ein Platz an der Westfassade. Die Optik der Architektur sollte nicht gestört werden.

Zwischenzeitlich wurde der Fortschritt der Bauarbeiten an der Orgel im Rahmen eines ökumenischen Gemeindeausfluges, der am 4. September 1999 stattfand, in Augenschein genommen. Die Planung der Fa. Goll hatte bei einem durchgeführten Wettbewerb, bei dem insgesamt fünf Entwürfe eingereicht wurden, den Zuschlag erhalten.

Bei der Fa. Goll in Luzern/Schweiz angekommen, erwartete die Ausflugsteilnehmer auf dem Firmengelände eine Führung mit ausführlichen Erläuterungen. Hierbei blieben keine Fragen unbeantwortet, angefangen vom Sockel und den Treppenstufen zur Orgel bis hin zur kleinsten Orgelpfeife im oberen Teil der Orgel. Mit einem Gehäuse aus unbehandeltem Eichenholz fügt sich das Instrument hervorragend in die Abteikirche ein.

Nach dieser Exkursion wurde die Orgel natürlich mit noch mehr Spannung in Otterberg erwartet. Nachdem auch die Standortfrage geklärt wurde, steht die Orgel nun im fünften Joch links im Hauptschiffes vor der Vierung.

Dort wurde sie in mehrwöchiger Arbeit von der Erbauerfirma exakt in den Arkadenbogen eingepasst. Anschließend mussten rund 1.700 Pfeifen einzeln eingebaut und intoniert werden. Der Klang in Höhe und Lautstärke wurde auf die Akustik der Abteikirche abgestimmt. Nach fast einjähriger Bauzeit war die Orgel fertiggestellt. Sie ist mit einer ausgezeichneten Disposition die 26 klingende Register umfasst, ausgestattet.

Die katholische Pfarrgemeinde "Mariä Himmelfahrt" und die protestantische Kirchengemeinde freuten sich, das Instrument im Rahmen eines Festgottesdienstes einweihen zu können. Zu diesem "Jahrhundertfest" waren alle Bürgerinnen und Bürger eingeladen, die auch in großer Zahl der Einladung folgten. Die Einweihung der Orgel übernahm Generalvikar Hugo Büchler (Speyer). Die Festpredigt hielt Oberkirchenrat Christian Schad (Speyer). Für die Liturgie zeichneten die beiden Ortspfarrer, Pfarrer Gregor Glapa für die katholische Pfarrgemeinde und Pfarrer Ralf Westrich für die protestantische Kirchengemeinde verantwortlich.

Der Gottesdienst wurde umrahmt vom katholischen Abteikirchenchor unter der Leitung von Peter Leister und dem protestantischen Kirchenchor unter der Leitung von Uwe Farke.
Beim anschließenden Stehempfang in der Stadthalle in Otterberg hielt Regierungspräsident Rainer Rund (Neustadt/Weinstraße) die Festansprache. Der Empfang wurde vom Musikverein Harmonie Otterberg musikalisch umrahmt.

Mit der Durchführung dieses gemeinsam finanzierten Projekts wurde ein Meilenstein in der simultanen Nutzung der Abteikirche gesetzt. Uns bleibt somit nur noch, sowohl den Besuchern der Gottesdienste als auch der konzertanten Veranstaltungen, viel Freude und einen ungetrübten Hörgenuss mit unserem neuen Instrument zu wünschen.

 


Disposition

Das Instrument hat 26 Register (+ Tremulant), verteilt auf drei Manuale und Pedal. Im Hauptwerk stehen 9, im Positiv 9, auf dem Cornett-Manual 2 und im Pedal 6 Register.

 

Gehäuse:
Unbehandeltes Gehäuse aus massivem Eichenholz dessen Farbe hervorragend zum warmen Ton des Sandsteins passt. Der Prospekt ist klar und einfach in einen Oberbau (mit Hauptwerk, Cornett-Manual und Pedal) sowie den Unterbau mit Brustwerk und Spieltisch gegliedert. Stehende Friese und geschlossene Flächen haben keine Profilierungen, das einzige ornamentale Element sind die graphischen Gitterabdeckungen (Schleierbretter) über den Mündungen der Prospektpfeifen. Die grösste Pfeife aus Holz (Subbass 16') bilden einen Teil der Rückwand. Die beiden Stimmgänge auf der Rückseite der Orgel sind in das Gehäuse integriert.

Spieltisch:
Der Organist kann über drei Manualklaviaturen und Pedalklaviatur sämtliche Pfeifen ansteuern. Die Registerzüge ermöglichen das Ein- und Ausschalten der verschiedenen Klangfarben. Im Spieltischbereich wurde das kräftig farbige Zwetschgenholz in Verbindung mit Ebenholz und weissen Porzellanschildern zur Registerbeschriftung verwendet. Grenadill bzw. Knochen fanden Verwendung für die Tastenbeläge.

Mechanik:
Die Tontraktur (Verbindung der Tasten zu den einzelnen Tonventilen) als auch die Registertraktur (Verbindung der Registerzugknöpfe zu den Schleifen) sind rein mechanisch ausgeführt. Um eine sensible und differenzierte Spielart zu ermöglichen, ist die Tontraktur sehr leicht und unter Vermeidung unnötigen Gewichts konstruiert. Die Verbindungsleisten aus Holz (Abstrakten) haben z. B. einen Querschnitt von nur gerade 2 x 6 mm².

Windanlage:
Ein speziell schallisoliertes Elektrogebläse sorgt für den richtigen Wind der über einzelne Holzkanäle zu den verschiedenen Windladen der einzelnen Werke geführt wird. Ein grosser Magazinbalg, der mit Steinen belegt ist sorgt für gleichmässigen Winddruck.

Pfeifenwerk:
Die Orgel hat total 1.648 Pfeifen (davon 54 aus Holz), z. T. sichtbar (Prospekt!), die meisten aber unsichtbar im Gehäuse "versteckt". Eine Gruppe von 56 Pfeifen unterschiedlicher Länge mit derselben Konstruktion (offen, gedeckt, zylindrisch, konisch, mit kleinem Röhrchen auf dem Deckel,...) bilden zusammen ein Register. Je nach Bauart ändert sich die Klangcharakteristik. Sämtliche Pfeifen sind an Ort und Stelle intoniert, d. h. ausgeglichen und an die Akustik des Raumes angepasst und ganz am Schluss auf die richtige Länge (= Tonhöhe) abgeschnitten worden.

 

 

 

Pedal: C-f '
 
I. Hauptwerk: C-g³
 
II. Brustwerk: C-g³
1) Subbass 16'   (P) Principal 8'     Salicional
8'
2) Octave 8'     Hohlflöte 8'     Gedackt
8'
3) Cello 8'     Gamba 8'   (P) Prinzipal
4'
  Octave 4'     Octave 4'     Rohrflöte
4'
  Posaune 16'     Spitzflöte 4'     Nasat
2 2/3'
4) Trompete 8'     Quinte 2 2/3'     Flageolet
2'
      Octave 2'     Terz
1 3/5'
    Mixtur IV 1 1/3'     Scharf IV
1'
    Trompete 8'     Musette
8'
            -Tremulant  
III. Cornettwerk: g°-g³
Flöte
8'
Cornett IV
4'

Koppeln:
II/I; III/I; I/P; II/P

Disposition:
Beat Grenacher

Entwurf und Konzept:
Jakob Schmidt

Konstruktion:
Christoph Stocker

Intonation:
Christian Kubli, Beat Grenacher

Erbauer:
Orgelbau Goll AG / Luzern (Schweiz) 1999

 
1) Holz, in die Rückwand integriert
2) C-H mit Prinzipal 8' HW
3) C-H mit Gamba 8' HW
4) Verlängerung von Posaunen 16'
(P) Prospekt
 
   
   
   
   
     
 
Disposition Informationen aus der
"Festschrift zur Einweihung der neuen GOLL-ORGEL der ehemaligen Zisterzienser-Abteikirche und heutigen Simultankirche in Otterberg"